Kammertöne - per Du mit...Prof. Dr. Barbara Schmalfeldt

Shownotes

Chancen und Grenzen moderner Reproduktionsmedizin im Spannungsfeld von rechtlichen Vorgaben und körperlicher Selbstbestimmung - darum geht es in der neuen Folge mit Expertin Prof. Dr. Barbara Schmalfeldt, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Gynäkologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Im Interview mit Kammervizepräsidentin PD Dr. Birgit Wulff erklärt die renommierte Gynäkologin die medizinischen Abläufe von Eizellspende und Leihmutterschaft sowie die rechtlichen Grenzen.

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00:00:07: Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Folge unseres Ärztekammer-Podcasts "Kammertöne".

00:00:15: Heute mit dem Thema "Kinderwunsch realisieren, Verfahren bei Eizellspende- und Leihmutterschaft.

00:00:23: Darüber spreche ich heute mit Frau Prof.

00:00:25: Dr.

00:00:26: Barbara Schmalfeldt, Klinikdirektorin der Klinik und Poliklinik für Gynäkologie am UKE Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf.

00:00:37: Liebe Barbara, ich freue mich dass du heute hier bist.

00:00:39: Herzlich willkommen!

00:00:41: Du bist Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und leitest in der Frauenklinik auch das Zentrum für gynäkologische Onkologie.

00:00:53: Ja, vielen Dank für die Einladung.

00:00:55: Ja schön, dass du da bist.

00:00:57: Du engagierst dich auch in deinem Fachgebiet,

00:00:59: in den berufspolitischen Fragen und warst unter anderem als Präsidentin der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe aktiv.

00:01:09: Genau, das war ja die Zeit, wie auch die Kommission berufen wurde für reproduktive Selbstbestimmung und die sich eben mit den Fragen der Eizellspende und Leihmutterschaft in Deutschland auseinandergesetzt hat.

00:01:22: Es war eine interdisziplinäre Kommission aus Juristen, Ethikern, Frauenärzten und wir haben dann als Fachgesellschaft die Ergebnisse dieser Kommission auch kommentiert, zum Teil eben auch kritisch, weil es ist einfach ein schwieriges Thema, gerade die Leihmutterschaft.

00:01:39: Ja es ist ein schwierigeres Thema und deshalb ist vielleicht vorab ganz gut zu sagen, dass wir uns heute konzentrieren auf die medizinischen Verfahren,

00:01:48: die zur Realisierung einer Eizellspende oder einer Leihmutterschaft Voraussetzung sind.

00:01:53: Es geht also auch um das Thema Frauengesundheit, aber rein aus medizinischer Sicht.

00:01:59: Liebe Barbara, du hast ja auch mitbekommen wie in der Öffentlichkeit vor einiger Zeit das Thema Leihmutterschaft diskutiert worden ist im Zusammenhang mit der Inanspruchnahme durch einen bekannten deutschen Politiker.

00:02:14: Das hat ja eine Zeit lang sehr die Diskussion bestimmt und mich würde interessieren, wie hat das auf dich gewirkt?

00:02:21: Es war eine sehr emotionale Diskussion und sehr wertend und ich hätte mir zum einen gewünscht, dass einfach mehr noch mal wirklich, was wir auch heute ja machen wollen, die fachlichen Hintergründe dargestellt werden,

00:02:35: warum es kritisch ist,

00:02:36: warum es für eine Leihmutter eine Belastung darstellt und deswegen nicht so einfach in Anspruch genommen werden kann und in Deutschland auch nicht verfügbar ist

00:02:48: und zum anderen diese schnellen Urteile.

00:02:51: Es ist ja ein großer Wunsch da und es gibt einfach Frauen oder wir müssen ja inzwischen auch sagen Personen ohne Uterus, die sich eine Schwangerschaft wünschen und sie nicht austragen können

00:03:01: und auch denen wollen wir medizinisch helfen.

00:03:04: Also ein Kinderwunsch hält sich ja nicht an Anatomie, sozusagen.

00:03:08: Es können ja auch Menschen ohne die gynäkologischen Voraussetzungen sich Kinder wünschen.

00:03:12: Voraussetzung natürlich auch für eine Leihmutterschaft ist, dass eine Eizelle vorhanden ist und

00:03:21: dafür gibt es als Indikation oder als Voraussetzung verschiedene Konstellationen.

00:03:29: Zum Beispiel kenne ich ein Geschwisterpaar, wo eine Schwester für ihre Schwester eben eine Eizelle gespendet hat, weil das bei ihr anatomisch nicht möglich ist, schwanger zu werden und dann eine Schwangerschaft entstanden ist, wo die Eizelle von der Schwester gekommen ist.

00:03:47: Es gibt aber auch, wie wir das jetzt in der Politik erlebt haben, die Konstellation dass zwei Männer sich ein Kind wünschen oder eben auch zwei Frauen,

00:03:56: das ist ja alles medizinisch realisierbar.

00:03:59: Dahinter steckt aber ein großes Know-how und auch einen Prozedere, was gar nicht so unkompliziert ist.

00:04:07: Wollen wir mal mit der Eizellspende anfangen?

00:04:09: Genau!

00:04:10: Die Eizellspende ist für Frauen oder benötigen Frauen, die selber nicht genügend Eizellen haben

00:04:17: oder nicht genügend gute Eizellen.

00:04:21: Und es sind schon viele Frauen, das können Frauen sein, die Prämature Ovarialinsuffizienz haben.

00:04:29: Das heißt der Eierstock arbeitet nicht mehr und die Eizellen reifen nicht mehr heran und können auch nicht in Vitro gereift werden.

00:04:35: Da sind doch einige Frauen betroffen, aber vielmehr sind es Frauen, die Tumore an den Eierstöcken hatten und dann kann man eben auch keine Eizelle kryokonservieren von diesen Frauen.

00:04:45: Auch Frauen mit einer Endometriose, die ja häufig ist, die Metriome im Ovar operiert worden sind, haben eine eingeschränkte Eizellreserve.

00:04:56: Also da gibt es schon mannigfache Gründe, dass Frauen keine eigenen Eizellen haben und eben auf eine Eizellspende angewiesen sind.

00:05:04: Und Eizellspende heißt, sie braucht eben eine andere Frau, die stimuliert werden muss, dass bei ihr eben mehr Eizellen als nur die eine, die normalerweise im Zyklus heranreift, heranreift und dann muss diese durch eine Punktion gewonnen werden.

00:05:19: Das ist ja das klassische Verfahren, das

00:05:21: Paare auch in Anspruch nehmen,

00:05:22: wenn sie eine künstliche Befruchtung machen, dann ist das Verfahren genauso und es ist über die Jahre ja sehr sicher geworden.

00:05:29: Aber trotzdem sehen wir bei uns in der Klinik immer Frauen, die auch Überstimulations-Syndrom haben weil natürlich da Hormone eingesetzt werden, auf die manche Frauen stärker reagieren.

00:05:40: Dann kommt's zu Ödemen, Wassereinlagerungen mit einem erhöhten Thrombose-Risiko. Aber das ist überschaubar und selten!

00:05:47: Es ist für die Frau, die die Eizellspende macht, ein Risiko.

00:05:51: Das heißt also die Spenderin, die normalerweise im Rahmen eines normalen Zyklus eine einzige Eizelle hat, die sozusagen befruchtungsfähig ist wird dann durch hormonelle Eingriffe so vorbereitet, dass mehrere Eizellen gleichzeitig für eine Befruchtung vorbereitet sind und dann müssen diese entnommen werden.

00:06:15: Wie soll man sich das konkret vorstellen?

00:06:18: Also was passiert da?

00:06:20: Kurz vor dem natürlichen Eisprung wird in einer kurzen Narkose, kann man sich wie bei der Darmspiegelung vorstellen, ein Ultraschall über die Vagina gemacht.

00:06:31: Der hat eine Punktionsvorrichtung und dann wird transvaginal also über das hintere Vaginalgewölbe punktiert und unter Ultraschall sich die Eizellen eben abgesaugt, kryokonserviert oder sie werden gleich der Befruchtung mit einer Samenzelle zugeführt.

00:06:50: Also ein Eingriff schon, der sozusagen durch eine Punktion bedingt vielleicht auch kleine Risiken hat,

00:07:00: aber du sagst ja, die Risiken sind überschaubar.

00:07:03: Wahrscheinlich kann es mal Infektionen geben oder so das stelle ich mir vor, was nur selten passieren offensichtlich.

00:07:09: Genau, also das bei der Punktion überall, wo man sie macht, auch bei einer Blutentnahme kann es natürlich eine Blutung geben.

00:07:15: Das ist aber wirklich sehr überschaubar!

00:07:17: Das ist das eine Risiko durch den Eingriff und das andere ist durch diese hormonelle Stimulation, die man braucht, dass es da eben zum Überstimulationssyndrom kommen

00:07:26: kann.

00:07:26: Und nach dieser Entnahme geht das aber ganz normal für diese Frau weiter

00:07:32: dann,

00:07:32: also sie erholt sich von dem Eingriff... bleiben Folgen irgendwie zurück, die die Gesundheit einschränken?

00:07:39: Nein.

00:07:40: Auch diese Stimulation kann man als unbedenklich sehen

00:07:44: und die gewonnen Eizellen werden entweder gleich befruchtet, wenn es zum Beispiel so ein IVF-Verfahren ist also, dass ein Paar sozusagen der Mann dann die Samenzellen dazu beisteuert und dass die Eizelle außerhalb des weiblichen Körpers damit befruchtet wird und wieder eingesetzt wird.

00:08:03: Und es ist aber auch möglich, dass eben eine gespendete Eizelle mit dem Samen eines anderen Mannes befruchtet wird und dann für eine Leihmutter zur Verfügung steht.

00:08:17: Genau,

00:08:17: oder für eine Frau, die sich ein Kind wünscht und keine eigenen Eizellen

00:08:21: hat.

00:08:23: Und eben die überschüssigen Eizellen, die nicht gebraucht werden können kryokonserviert werden, also die werden dann eingefroren, noch mehrere Jahre eben aufbewahrt und dann, wenn der Zeitpunkt da ist oder gewünscht ist, eben wieder aufgetaut

00:08:37: und dann verwendet

00:08:38: wird.

00:08:38: Wir

00:08:38: haben ja in Deutschland ein Embryonenschutzgesetz von 1991.

00:08:45: Das ist schon sehr alt und hat damals auch unter anderen gesellschaftlichen Bedingungen Eingang in unser Rechtssystem gefunden.

00:08:54: Da ist es ja so, dass bei uns eine Übertragung eines Embryos, der nicht zur Erzeugung einer Schwangerschaft bei der Spenderin führt beziehungsweise auch die Übertragung einer Eizelle verboten.

00:09:11: Sie ist strafbewährt für den Arzt oder die Ärztin, die das machen.

00:09:15: Also nicht für die Frau!

00:09:16: Das muss man an dieser Stelle nochmal auch betonen.

00:09:19: Genau und es ist glaube ich nicht mehr ganz zeitgemäß, wir sprechen jetzt nicht von Embryonen sondern von Eizellen,

00:09:26: die sind ja noch nicht befruchtet.

00:09:27: Es ist schon mal der Unterschied und die Samenspende ist ja auch möglich.

00:09:31: Deswegen ist es eigentlich nicht fair oder es ist nicht fair.

00:09:34: Ja also und die Zeiten haben sich geändert. Wir haben jetzt vielmehr Eizellen, weil die Verfahren viel besser geworden sind.

00:09:40: Wir haben Social Freezing, wo Frauen einfach auch protektiv Eizellen einfrieren lassen und viele dieser Eizellen werden gar nicht genutzt, dass wir einfach Eizellen haben, die auch unverbraucht nicht verwendet werden, was schade ist und da ist ein Umdenken absolut notwendig und im Ausland wird es ja auch anders gehandhabt.

00:10:00: In

00:10:00: Europa in Dänemark, in Spanien, ist das ja alles auch erlaubt.

00:10:04: Und das Social Freezing, also das heißt, dass Frauen in einem jüngeren Alter Eizellen einfrieren lassen,

00:10:10: also auch diese Stimulationsbehandlung durchmachen, aber zu ihrer eigenen Verwendung später zu einem späteren Zeitpunkt, wenn das in ihre Lebensplanung passt,

00:10:19: dann diese Eizelle die natürlich, wenn sie jünger sind vitaler sind als später im Leben, wenn man über 40 ist es ja ein bisschen schwierig wahrscheinlich vorher auch schon, dass diese Verfahren dann angewendet werden können, wenn sie später einen Kinderwunsch realisieren können.

00:10:38: Aber das ist ja die Konstellation, über die wir jetzt hier nicht sprechen.

00:10:41: Aber das Verfahren ist sozusagen dasselbe und wenn wir jetzt überlegen: der Gang dieser befruchteten Eizelle zu einer Leihmutter, das medizinische Verfahren für die Leihmutter, das ist also, dass diese befruchtete Eizelle dann eingesetzt wird.

00:10:58: Muss die Leihmutter dann vorbereitet werden für so eine Situation?

00:11:02: Die Leihmutter,

00:11:03: letztendlich ist das Verfahren jetzt identisch, als wenn ein Paar sich für eine künstliche Befruchtung entscheidet.

00:11:12: Und für die Leihmutter bedeutet es nur, dass sie eine fremde Eizelle bekommt,

00:11:17: nicht ihre eigene und das Sperma ist ja immer fremd!

00:11:20: Also auch wenn sie einen Partner hat, das ist ja nicht ihr eigenes genetisches Material, aber sie hat jetzt praktisch zwei unterschiedliche genetische Materialien zum einen von dem männlichen Spender und eben von einem weiblichen Spender.

00:11:32: Also es kommen immunologisch zwei unterschiedliche Genmerkmale in der Eizelle auf die Mutter zu, was möglich immunologische Reaktionen machen kann.

00:11:42: Aber von der Vorbereitung, es muss natürlich der Zyklus passen, sie muss eben nach dem Eisprung sein, wo die der Zyklus bereit ist oder die Gebärmutter bereit ist, die befruchtete Eizelle aufzunehmen.

00:11:57: Aber das kann im natürlichen, dem natürlichen Zyklus angepasst werden.

00:12:00: Also das unterscheidet sich überhaupt nicht von einer künstlichen Befruchtung und dadurch, dass die befruchtete Eizelle zurückgegeben wird, kann man das im natürlichen Zyklus

00:12:08: machen.

00:12:10: Wird eine Eizelle eingesetzt?

00:12:11: Oder werden das mehr vorsichtshalber sozusagen.

00:12:14: Also in Deutschland haben wir ja die Maßgabe, dass eine Eizelle eingesetzt wird und nur nach Rücksprache oder nach Wunsch zwei Eizellen, einfach, weil mehrgradige Schwangerschaften immer ein Risiko für die Mutter sind, die auszutragen.

00:12:31: Also je höher gradiger, Drillinge, haben wir immer ein medizinisches Risiko.

00:12:36: Also da wird sozusagen die Schwangerschaft so angefangen für eine Leihmutter im Grunde ähnlich wie für eine Frau, die auf natürlichem Wege schwanger wird.

00:12:49: Und die läuft dann genauso ab wie eine Schwangerschaft sonst.

00:12:53: Wir wissen ja, dass in der Schwangerschaft zu einem frühen Zeitpunkt, es oft auch zu Fehlgeburten kommt beziehungsweise die Schwangerschaft frühzeitig endet, manchmal schon zu einem Zeitpunkt, wo die Frau noch nicht weiß, dass die schwanger war.

00:13:06: Ist das so ungefähr genau so, wie für eine Leihmutter oder wie sind die

00:13:12: Daten dazu, du hast ja einen

00:13:14: guten

00:13:14: Einblick.

00:13:15: Genau richtig!

00:13:16: Also man stellt sich immer so vor: der Leihmutter wird die Eizelle eingesetzt und dann nach neun Monaten kommt es zur Geburt.

00:13:22: Aber diese Leihmutter hat natürlich alle, nimmt Risiken oder Möglichkeiten des Schwangerschaftsverlaufs mit.

00:13:30: Das heißt, es kann zum Abort kommen und das Abortrisiko am Anfang der Schwangerschaft ist ja relativ hoch.

00:13:37: Ist natürlich bei einem komplett fremden genetischen Material vielleicht noch mal ein bisschen höher.

00:13:44: Aber die Geburtsraten sind relativ gleich, im Vergleich zu natürlichen Schwangerschaften.

00:13:52: Aber dann kommt der Verlauf und da wissen wir bei den, gibt es inzwischen viele Fallserien die das untersucht haben.

00:13:59: Das doch die Risiken für Präeklampsie, das ist die Schwangerschaftsvergiftung, wo es eben... wahrscheinlich durch auch immunologische Phänomene, zu Bluthochdruck kommen kann, zu Plazentafunktionenstörungen,

00:14:12: dass dieses Risiko erhöht ist, so ungefähr doppelt so hoch.

00:14:16: Aber es hat natürlich viel damit zu tun, wie alt die gespendete Eizelle ist.

00:14:20: Wie viele Schwangerschaften hatte die Leihmutter?

00:14:23: Was hat sie selber für Risiken?

00:14:24: Bringt Sie schon Bluthochdruck mit, einen Diabetes?

00:14:27: Da spielen viele Faktoren rein, dass wir so ungefähr sagen, es ist doppelt so hoch als in natürlich angelegten Schwangerschaft.

00:14:35: Auch das Gestationsdiabetes-Risiko ist etwas höher, also dass man Blutzucker in der Schwangerschaft bekommt.

00:14:42: Aber da kommen natürlich Risiken der Leihmutter auch mit und wir wissen auch, dass die Frühgeburt erhöht ist.

00:14:48: Also es kann eben sein, dass das Kind nicht am Ende der Schwangerschaft, sondern vier oder auch mal acht Wochen vorher kommt, was aber auch medizinische Situationen sind,

00:14:56: die man inzwischen auch für das Kind gut in den Griff bekommt und die Kaiserschnittrate ist höher, aber es hat manchmal auch mit der Planbarkeit der Entbindung zu tun.

00:15:06: Ja, das ist ja nach der Geburt ein ganz anderer Ablauf als üblicherweise.

00:15:12: Also ein kleines Zwischenfazit jetzt aus meiner Sicht, nach dem was du gesagt hast, dass die Eizellspende ein Eingriff in den weiblichen Körper bedeutet, der aber mit überschaubaren Risiken einhergeht und dass es inzwischen etablierte Verfahren sind, die in welcher persönlichen Situation auch immer, eigentlich einigermaßen händelbar sind.

00:15:37: Absolut und vor allem: wir haben inzwischen so viele Eizellen, glaube ich übrig, die gespendet werden könnten, dass es eigentlich genug Eizellen für alle geben müsste, wenn wir den rechtlichen Rahmen hätten dafür.

00:15:49: Das heißt, wir können jetzt die überzähligen Eizellen nach Eizellentnahme eigentlich nicht für andere Frauen anbieten?

00:15:59: Nein, im Moment nicht.

00:16:00: Da fragt man sich natürlich, warum ist das eigentlich so?

00:16:03: Denn viele Paare, könnte ich mir vorstellen, möchten ein Kind, das genetisch mit ihnen verwandt ist.

00:16:09: Aber wenn es dann gar nicht anders ginge, wäre es vielleicht ja auch akzeptabel, wenn die Frau ein Kind austrägt, was einen anderen Vater und eine andere Mutter eventuell hat.

00:16:22: Aber das können wir nicht machen.

00:16:23: Ist das in anderen europäischen Ländern erlaubt?

00:16:28: Wir wissen ja, dass viele Frauen inzwischen ins Ausland gehen um eine Eizelle zu bekommen.

00:16:33: Das ist Dänemark, wie du es vorher auch angesprochen hast, Polen, Spanien dort alles möglich und wir waren ja auch schon sehr weit mit einer Regelung.

00:16:44: Es gibt eine Empfehlung der Leopoldiner, das ist eine Experten-Kommission, die da wirklich sehr klar sich dazu geäußert hat und für die Bundesregierung da auch schon Maßnahmen ausgearbeitet hat.

00:17:00: Und wir hatten die Kommission zur reproduktiven Medizin und wir waren da eigentlich schon so weit, dass es auch empfohlen worden ist.

00:17:11: Die Frage der politischen Mehrheit!

00:17:14: Auf der anderen Seite ist es ja so, dass Frauen über ihren Körper selbst bestimmen können bei uns.

00:17:18: Und das ist auch die Leitlinie der reproduktiven Medizin.

00:17:23: Man kann selber bestimmen über Schwangerschaft, den Umgang mit der eigenen Sexualität und auch mit Schwangerschaft bzw.

00:17:31: Elternschaft.

00:17:33: Insofern kann eine Frau als Spenderin oder als Leihmutter, wenn man das konsequent zu Ende denkt... selbst entscheiden, ob sie sich für ein solches Verfahren zur Verfügung stellt.

00:17:46: Sehe ich ehrlich gesagt auch so.

00:17:47: Wir müssen ja auch sagen, wir haben die Organspende, auch da

00:17:50: haben wir das ja geregelt.

00:17:51: Es kann ja auch jemand entscheiden, dass er für jemand anderes, ein Organ spenden möchte.

00:17:56: Da braucht der auch einen Eingriff, eine Operation, um das Organ zu entnehmen und das haben wir bei den Nierenlebendspenden.

00:18:05: Man kann das ja schon regeln.

00:18:06: Ich glaube an der Stelle müssen wir einmal über das Geld auch reden, denn die Leihmutterschaft ist ja immer, auch wenn sie im Ausland in Anspruch genommen wird, mit finanzieller Kompensation und möglicherweise auch einer schwierigen finanziellen Lage der Leihmutter verbunden.

00:18:21: In Deutschland ist die Spende von Gewebe- und Organen immer ohne Geldfluss nur möglich also, es ist verboten zu handeln und Eizellen sind ja auch Gewebe.

00:18:37: Also insofern wäre das ein ganz wesentlicher Punkt, den man hier irgendwie regeln müsste.

00:18:44: Dass jemand schwanger ist, könnte ich mir nur in so einer persönlichen Konstellation wie Schwestern oder so vorstellen dass man neun Monate diese ganzen Risiken und auch Beschwerden, die eine Schwangerschaft ja nun mal hat, in Anspruch einfach nimmt um... eben dem anderen Beteiligten die Möglichkeit der Elternschaft zu ermöglichen.

00:19:09: Da hätten wir eine ganze Menge zu regeln.

00:19:11: Genau, also das ist ein ganz komplexes Regelwerk, da braucht es einfach einen richtigen juristischen Rahmen.

00:19:18: Bei der Organspende haben wir ja eine große Diskussion darüber, dass Menschen sich entscheiden sollen, dass sie aufgeklärt sein müssen.

00:19:28: Für diese Verfahren, die du gerade beschrieben hast, denke ich mir auch, im Rahmen sozusagen der Stimulationsbehandlung,

00:19:41: die Frauen werden aufgeklärt darüber, aber wenn sie einen eigenen Kinderwunsch haben, ist das natürlich eine Abwägung.

00:19:47: Wenn man in einer anderen Konstellation das zulassen würde, wäre ja die Aufklärung der jeweils beteiligten Frauen ein ganz zentraler Punkt

00:19:57: aus meiner Sicht

00:19:59: Absolut, also die müssen einfach, müssen diese ganzen Faktoren, die wir angesprochen haben, die sie aber ja meistens schon kennen.

00:20:07: Weil die Leihmütter haben ja meist auch eigene Kinder, dass sie einfach schon wissen was eine Schwangerschaft bedeutet, auch für den Beckenboden mit allen Risiken.

00:20:15: Aber eben jetzt zusätzlich noch mit der fremden Eizelle, dass da eben noch ein zusätzliches Risiko dazukommt, ist absolut richtig!

00:20:24: Also wir haben sozusagen jetzt herausgearbeitet, die Abwägung zwischen dem Selbstbestimmungsrecht einer Frau, das auch einschließt,

00:20:33: dass sie eben solchen Verfahren zustimmt und ein Motiv, was immer es auch sein kann, dass sie selber vertritt. Entgegensteht die deutsche Gesetzgebung,

00:20:51: dass Aufklärung,

00:20:52: ein ganz zentraler Punkt wäre, wenn man diese gesetzliche Regelung ändern wollte.

00:20:58: Das ist für die Eizellspende nicht so umfangreich offensichtlich wie für die Leihmutterschaft.

00:21:06: Wenn du dir was wünschen könntest... Wie soll es weitergehen?

00:21:10: Wenn wir jetzt dieses Thema anpacken und ich glaube, es ist ja ein großer Bedarf da, sich auf die neuen gesellschaftlichen Situationen einzustellen.

00:21:21: Menschen denken heutzutage anders über Fragen von Elternschaft als 1991, die konventionelle Familie ist ja eigentlich nicht mehr der Standard, an den sich jeder orientiert,

00:21:34: also es muss auch in anderen Konzentrationen möglich sein Eltern zu sein.

00:21:40: Dann müssten wir doch eigentlich wirklich sagen, dieses Gesetz muss man jetzt mal ändern.

00:21:44: Also

00:21:44: die Eizellspende, ich glaube da bräuchte, wäre es wünschenswert, so schnell wie möglich eine Regelung zu finden, dass es in Deutschland möglich ist.

00:21:52: Es würde ganz vielen Frauen und Paaren helfen und das ist glaube ich kein so komplexes Regelwerk und da bin ich immer noch sehr zuversichtlich, dass das doch bald passiert.

00:22:03: Mit der Leihmutterschaft ist es wirklich ein komplexeres rechtliches Regelwerk.

00:22:09: Aber auch hier muss man einfach viele Faktoren bedenken, die wir jetzt angesprochen haben.

00:22:15: Ich glaube rein altruistisch, ist meine Einschätzung, kann man fast nicht verlangen, weil die Frau einfach per se durch die Schwangerschaft Ausfälle hat, die irgendwie kompensiert werden müssen.

00:22:26: Aber es ist natürlich nicht zu wünschen, dass Frauen irgendwie ausgebeutet werden oder das dann als Geschäftsmodell aus irgendeiner Notsituation heraus machen.

00:22:34: Das ist ja ein großes Thema immer in der öffentlichen Situation.

00:22:40: Wir müssen uns einstellen auf die Situation, wie sie jetzt ist.

00:22:43: Wie die Wünsche der Menschen sind und welche Rechte Frauen eben auch haben über ihren Körper zu bestimmen.

00:22:49: Und insofern glaube ich... ist das Thema tatsächlich gesetzt.

00:22:55: Wir haben ja am Anfang über die bewegte Diskussion in der Öffentlichkeit zu diesem Thema gesprochen.

00:23:02: Dann hatte es vielleicht aber auch sein Gutes.

00:23:05: Also ich habe mich erst mal gefreut, dass es in die öffentliche Aufmerksamkeit gekommen ist, das Thema Leihmutterschaft und damit ist natürlich irgendwo auch die Eizellspende verbunden.

00:23:14: Und hätte mir eigentlich gewünscht, dass es jetzt wieder einen Anlass gibt, das Thema auch politisch aufzugreifen und anzugehen

00:23:20: Wir sind ja schon sehr weit.

00:23:21: Ja,

00:23:21: die politische Lage ist ja natürlich im Moment zu unruhig wahrscheinlich, um dieses Thema anzupacken.

00:23:26: Ich fand nochmal gut, dass du erwähnt hast, dass es überzählige Eizellen gibt, die in einer anderen gesetzlichen Konstellation für Frauen zur Verfügung stehen könnten und die dann sozusagen keine biologische Verwandtschaft allerdings, jedenfalls auf der Seite der Mutter, begründen würden.

00:23:46: Aber das ist ja bei der Eizellspende sowieso so, ja.

00:23:49: Dann danke ich dir für dieses interessante Gespräch!

00:23:53: Und wir wollen hoffen, dass sich die Politik dem aktuellen Stand, den wir jetzt gesellschaftlich haben und den Wünschen der Menschen ein bisschen weiter annähert.

00:24:03: Und dass jede Frau, die sich mit diesem Thema beschäftigt, aus welcher Perspektive auch immer, genau Bescheid weiß, was passiert und dazu wollten wir ja heute auch beitragen.

00:24:13: Ja, das würde ich mir sehr wünschen und wir bleiben dran.

00:24:16: Vielen Dank.

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